[logo saxoniabrunnen]
  SAXONIABRUNNEN-Verein e.V. Chemnitz
   Verein zum Wiederaufbau des historischen Saxoniabrunnens in Chemnitz
   Auberg 1, 09116 Chemnitz, Telefon 0371 855020, Fax 0371 854781, mobil 0172 3702138
[Stadtfarben von Chemnitz]
Schmied und Spinnerin    Wasserspiel    Vortrag zur
Vereinsgründung
   
Fotogalerie    Kulturdenkmal
Saxoniabrunnen
   
1. Seite
[Stadtfarben von Chemnitz]
Vortrag
zur Vereins-
gründung
Mitschrift des Vortrages von Herrn Peter Fritzsche zur

Auftaktveranstaltung für den Wiederaufbau
des Saxoniabrunnens auf dem Markt von Chemnitz


am 10.10.2002 in der Jakobikirche Chemnitz

Je mehr unsere Welt durch Globalisierung bestimmt wird, je mehr inter-kulti und multi-kulti unser Leben wird, umso stärker wächst das Bedürfnis nach einem kleinen Stück lokaler, regionaler, überschaubarer Heimat.

Ich möchte mich kurz vorstellen:

Mein Name ist Peter Fritzsche, ich bin 1946 im Erzgebirge geboren, lebe und arbeite nach meinem Studium an der Universität Rostock seit 1971 in Karl-Marx-Stadt / Chemnitz.

Meine Frau und ich haben uns am Schloßberg seit 1997 sehr stark für die Erhaltung dieser schönen Ecke von Chemnitz eingesetzt.

Wir haben die schönen Häuser Schloßberg 4, 3, 2, also auch das Kellerhaus erworben und haben ihnen ihre alte Schönheit zurückgegeben.

Ich erwähne das nur, weil wir aus der Reaktion der Chemnitzer Bürger erfahren haben, welchen Stellenwert die anfangs zitierte lokale, regionale, überschaubare Heimat einnimmt.

Und damit bin ich beim heutigen Thema »Saxoniabrunnen«.

Unser stadtbekannter Türmer, unser Stephan Weber hat den Vorschlag unterbreitet, bauen wir doch bitte zwei Brunnen, den Saxoniabrunnen, von dem noch 90 % der bearbeiteten Granitsteine, einschließlich der gewaltigen Sockelsteine, vorhanden sind und an anderer Stelle den witzigen und interessanten Tassenbrunnen. Aber bitte nicht mit den Originalsteinen.

Die Originalsteine haben in unserer Stadt eine eigene Geschichte geschrieben. Doch dazu etwas später.

Ich bin überwältigt von der großen Zahl von Chemnitzern, die heute hierher gefunden haben.

Ich möchte Ihnen auszugsweise eine Dokumentation vortragen, die unmittelbar nach der Wende, bereits im Juli 1990, von Dr. sc. Gert Richter und Architekt und Formgestalter Roland Nestler erarbeitet wurde.

Zitatanfang.

»Der Saxoniabrunnen
Historischer Teil

Am 9. Juli 1893 weihten die Chemnitzer Bürger im Rahmen der 750-Jahr-Feier der Stadt an der Westseite des Roßmarktes den langersehnten Saxoniabrunnen. Der 1863 gegründete Verschönerungsverein« verfolgte schon seit den siebziger Jahren gemeinsam mit der »Kunsthütte« das Anliegen, einen monumentalen Brunnen in Chemnitz zu errichten. Wie aus dem Brief des um die Verschönerung der Stadt hochverdienten Stadtrat Robert Zipper vom 26. November 1883 an das Hohe Königliche Ministerium des Innern hervorgeht, sollte der Brunnen als eine Zierde des Schillerplatzes entstehen. Es mußten aber nochmals einige Jahre vergehen, bevor es zu den entscheidenden Festlegungen kam.

Am 10. November 1886 unterbreitete der Stellvertretende Vorsitzende des Verschönerungsvereins, Prof. Alwin Gottschaldt, in Abstimmung mit dem akademischen Rat der Königlichen Akademie der bildenden Künste zu Dresden an den Rat der Stadt Chemnitz den Vorschlag, diese Brunnenanlage auf dem Hauptmarkt, der »bis jetzt allen und besonders eines künstlerischen Schmuckes entbehrt«, zu errichten. Das Schreiben enthielt auch schon ausgereifte Vorstellungen über die Gestaltung des Brunnens. »Den eigentlichen künstlerischen Schmuck des Brunnens sollen figürliche Darstellungen bilden und ist vorgesehen, eine Saxonia als Hauptfigur zu wählen, während zwei weitere Figuren die Erwerbsthätigkeiten, denen Chemnitz seine Blüthe verdankt, Handel und Industrie (Maschinenbau und Textilindustrie), symbolisch zum Ausdruck bringen sollen.«

Im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts gesellte sich in Sachsen zur Architektur die bildende Kunst, sie gehörte einfach zur Stadtverschönerung. In der Dresdner Residenz hatte Prof. Johannes Schilling auf dem Mittelbau der Semperoper die Gruppe Dionysos und Ariadne mit dem Panther-Viergespann geschaffen. An der Brühlschen Terrasse standen die Vier Tageszeiten, ebenfalls von Prof. Schilling geschaffen, die 1909 bei der Gestaltung des Königplatzes in Chemnitz Aufstellung fanden.

Es waren vor allem die Dresdner Bildhauer Johannes Schilling, ... und Bruno Fischer. Letzterer schuf die Figuren zu dem »Gerechtigkeitsbrunnen«, den die Stadt Dresden auf dem Holsteinplatz aufstellen ließ. Zwischen 1886 und 1889 modellierte Bruno Fischer die Entwürfe für den Saxoniabrunnen (Anm. von Herrn Fritzsche: zu dieser Zeit arbeitete Fischer bei Prof. Schilling). Der akademische Rat zu Dresden übergab im März 1889 die Entwürfe dem Rat der Stadt Chemnitz und dem Chemnitzer Verschönerungsverein.

Die Kosten für den Figurenschmuck übernahm das Dresdner Ministerium des Innern aus dem Landeskunstfonds. Der Chemnitzer Verschönerungsverein hatte sich bereits 1886 mit einem Anteil in Höhe von 5000 Mark eingeschrieben. Er wollte »aus seinen Mitteln die technische Ausführung des Kunstwerks, wie die Fundamentierung, das Bassin und das Geländer übernehmen«.

Schon am 5. April 1889 erwiderte der Oberbürgermeister im Namen des Rates der Stadt, daß »das Modell in seinen wesentlichen Theilen mit unseren Intentionen übereinstimmend gefunden« wurde. Damit war der Weg für die künstlerische Gestaltung des Saxoniabrunnens freigegeben. Es war bei dem ursprünglichen Vorschlag geblieben. Als Hauptfigur bekrönte eine Saxonia als Beschützerin der Industrie und des Handels den Brunnen. Tiefer saßen seitlich auf dem Postament die Figuren, die die Hauptzweige der Chemnitzer Industrie, die Eisen- und die Textilindustrie, repräsentierten.

Immer noch vertrat man die Auffassung, daß der die Stadt symbolisierende Brunnen einen würdigen Platz auf dem Hauptmarkt finden sollte. Als jedoch 1892 die Errichtung eines Kaiser-Wilhelm-Denkmals ins Gespräch kam, begann für etwa ein Jahr eine widerspruchsvolle, heiß geführte Debatte über den Standort des Saxoniabrunnens. Dazu erbat man auch erneut ein Gutachten des akademischen Rates. Schließlich sprach sich auch dieser für den Standort Roßmarkt aus.

Die Diskussion über den Aufstellungsraum brachte es mit sich, daß man in arge Zeitbedrängnis bei der Herstellung der Brunnenanlage kam. Erst im April 1893 wurde mit dem Bau begonnen. Der Brunnen wurde dann doch noch im Rahmen der 750-Jahr-Feier der Stadt geweiht. Stadtbaurat Eduard Hechler übergab im Rahmen der festlichen Weihe den Brunnen an die Stadt. In Anwesenheit des Bildhauers Bruno Fischer und des Architekten Pätzel dankte er den Künstlern und wünschte im Namen des Verschönerungsvereins, daß der Brunnen »eine Zierde der Stadt zu sein verspricht«.

Anstelle des erkrankten Oberbürgermeisters Dr. André übernahm der Stadtrat Müller den Saxoniabrunnen. In seinem Dank an die Schöpfer verwies Müller auf die hohe Wertschätzung, die die Stadt diesem schönen Kunstwerk entgegenbrachte. Er führte aus: »Unser Saxoniabrunnen bildet in den von ihm getragenen Symbolen der beiden größten und ausgebildetsten hiesigen Industriezweige, der Eisen- und der Textilindustrie, ein Wahrzeichen, das die Stadt, ihr Werden und ihr Blühen, auf der Industrie und dem damit nothwendig verbundenen Handel beruhen; er bringt durch diese Symbole zum Ausdruck die hohe Anerkennung, welche die Stadt dem Gewerbefleiße zollt. Der Saxoniabrunnen wird der Stadt für alle Zeiten eine der schönsten Zierden und den kommenden Geschlechtern ein untrügliches Zeugnis dafür sein, daß die Lebenden bei harter Arbeit doch der Ideale nichtentbehrten.«

Die Berichterstattung über die Brunnenweihe vermittelte noch weitere Informationen über die Herstellung des Brunnens: »Das Fundament ist von dem hiesigen Baumeister Herrn Ritter ausgeführt. Es besteht, mit Ausnahme des in Ziegelmauerwerk hergestellten, begehbaren Kanals für die Wasserzu- und Ableitung, aus einer 2m starken Schicht von Cement- und Kalkbeton. Der Stufenunterbau ist aus Lausitzer Granit von der Firma C. G. Kunath-Dresden ausgeführt, während das Hauptpostament, die Becken und die beiden Seitenpostamente aus rothem schwedischen Granit von der Firma Kessel und Röhl-Berlin geliefert worden sind. Der Guß der Bronzen - Saxonia und der beiden, Textil- und Maschinenindustrie darstellenden Seitenfiguren - erfolgte in der Kunstgießerei von Pirner u. Franz-Dresden.

Die Delphine und die beiden Bronzebecken entstammen dem Atelier des Herrn Bildhauers Ohlendieck-Dresden. Die Wasserzu- und Ableitungsanlage ist von der Wasserwerksverwaltung der Stadt Chemnitz ausgeführt worden. Mit der speziellen Bauleitung war Herr Architekt Groß bei der hiesigen Stadtbauverwaltung beauftragt.«

Nach der festlichen Weihe nahmen 40 Personen an einem Festessen im »Römischen Kaiser« teil. Die städtische Speiseanstalt hatte schon seit dem Morgen an 2400 Arme auf Kosten der Stadt ein Essen verabreicht.

Der Brunnen war gewiß in allen Jahrzehnten seiner Existenz ein Schmuckstück der Stadt. Noch 1937 wurde er im Chemnitzer Tageblatt als eine der »schönsten Zierden« besprochen. Allerdings brachte ihn vier Jahre später die faschistische Stadtverwaltung aufs Schafott. Er wurde im Mai 1941 als Beitrag der Stadt Chemnitz zur Metallspende des deutschen Volkes abgebrochen.«
Zitatende.

Der Ort, an dem wir hier und heute versammelt sind, ist nicht zufällig gewählt. Hier in St. Jakobi wurde 1893 der Festgottesdienst zur Brunnenweihe abgehalten. Einen würdigeren Ort hätten wir nicht finden können.

Ich hatte anfangs schon die wechselhafte Geschichte der Brunnensteine erwähnt. In der bis jetzt gesichteten Literatur schreibt man im Zusammenhang mit der Metallspende von einem Abbau des Brunnens.

Versetzen Sie sich in die Lage der Menschen, die in dieser schwierigen Zeit die Kraft und die Technik gefunden haben die Brunnenteile zu bergen, zu transportieren und für die Nachwelt zu verstecken. Diesen Menschen gilt unser Dank und unsere Anerkennung.

Ein Großteil der Steine wurde 1985 / 86 auf dem Gelände der ehemaligen PGH Dynamo an der Müllerstraße gefunden. Das Gelände der ehemaligen PGH war vorher städtischer Bauhof und dort wurden die wertvollen Steine zum Glück versteckt. Für die Bergung mussten lt. vorhandener Literatur ca. 40 Jahre alte Bäume gefällt werden.

Es gab bereits zu dieser Zeit ein Schreiben vom 26.9.1985 vom Stadtarchitekten Dr. Mühl an den damaligen OB Müller mit dem Vorschlag, den Saxoniabrunnen wieder zu errichten.

Und seit 1990 gibt es ständig Schreiben und Vorschläge für die Wiedererrichtung des Saxoniabrunnens.

Seltsamerweise lagerte ein Teil der Steine auf dem städtischen Bauhof, jetzige Schönherrstraße Ecke Müllerstraße. Und genau dieser Platz ist heute der Parkplatz am Kellerhaus.

Wenn man die wechselvolle Geschichte der Brunnenelemente verfolgt, muss man zu der Schlussfolgerung kommen, den Brunnen im Original wieder zu errichten. Natürlich wissen wir, die Bronzefiguren werden Nachbildungen sein müssen.

Wir haben bereits einen Besichtigungstermin mit einem guten Steinmetzbetrieb vor Ort durchgeführt, er wird uns eine exakte Kostenaussage für die Wiedererrichtung bringen.

Die Übernahme der vorhandenen Fotos zur Digitalisierung ist vorbereitet und damit sind wir in der Lage eine Bronzegießerei zur Nachfertigung zu betrauen.

Die Zielstellung des Vereins ist es, die vorhandenen Steine auf dem Markt als ersten Schritt für einen Marktbrunnen wieder aufzustellen und in der zweiten Phase an der Ergänzung der Bronzefiguren zu arbeiten.

Kurz ein paar Informationen zum Verein selbst:
Die Gründung und das Bestehen erfolgt unter Aufsicht des Chemnitzer RA Dirk Purschwitz.

Die Buchhaltung und Finanzübersicht übernimmt freundlicherweise das stadtbekannte Steuerbüro Dr. Rödl und Partner hier in Chemnitz Reichenhainer Str. als Beitrag zur Unterstützung des Vereins.

Wir sind über jede unterstützende Hilfe dankbar, ob als Mitglied, ob als Arbeit im Vorstand oder als finanzielle Hilfe.

Damit möchte ich es erst einmal bewenden lassen. Es gibt sicherlich noch großen Diskussionsbedarf.

Anmerkung: Die Rechtschreibung der Originaltexte wurde beibehalten.
 
SERVICE

Dank zur Einweihung am
02.07.2011 an:

Barbara Ludwig
Claus Kellnberger
Thomas Morgenstern

Impressum
Copyright

www.
saxoniabrunnen
.de


30. Juni 2013